Von “überlebenswichtig” zu “aufgeschoben” — Wie Pheu Thais Flaggschiff-Projekt an eigenen Widersprüchen scheitert
BANGKOK - Noch vor wenigen Monaten pries die Pheu Thai-geführte Regierung das 10.000-Baht-Digital-Wallet-Programm (ca. 250 €) als unverzichtbaren Rettungsanker für die angeschlagene Wirtschaft. Doch jetzt, mitten in den Vorbereitungen, kommt das überraschende Eingeständnis: Das Projekt wird verschoben. Finanzminister Pichai Chunhavajira bestätigte den Aufschub, während Premierministerin Paetongtarn Shinawatra die Ankündigung fast beiläufig fallen ließ. Doch hinter dieser Nonchalance verbirgt sich eine politische Bombe.
Von “do or die” zu “vielleicht später” — Ein peinlicher Rückzieher
Die Botschaft der Regierung war monatelang eindeutig: Ohne die 10.000 Baht für jeden Bürger stirbt die Wirtschaft. Plötzlich aber heißt es, andere “Notfälle” hätten Vorrang. Die Frage drängt sich auf: War das ganze Drama nur ein Bluff?
- Warum wird ein angeblich systemkritisches Projekt einfach zurückgestellt?
- Wenn es nicht dringend war — weshalb dann der massive Druck auf Kritiker?
- Oder hat die Regierung schlicht die Kontrolle über die Haushaltsmittel verloren?
Drei mögliche Szenarien — und alle sind peinlich für Pheu Thai
- Das Programm hat versagt
Trotz der milliardenschweren Investition (geschätzte 500 Mrd. Baht / ca. 12,5 Mrd. €) zeigt die Wirtschaft keine spürbare Belebung. Statt Konsumrausch herrscht weiterhin Zurückhaltung. - Die Finanzierung ist ein Fiasko
Die geplante Umschichtung von Haushaltsmitteln könnte andere wichtige Projekte blockieren — vielleicht sogar solche, die dringender sind als ein Wahlversprechen. - Juristische Risiken werden zu groß
Verfassungsrechtliche Bedenken und Klagen von Ökonomen könnten das Projekt vor Gericht scheitern lassen. Eine plötzliche Pause wirkt wie ein Eingeständnis der Schwäche.
Konservative genießen die Schadenfreude — und die Regierung blamiert sich selbst
Die Opposition hatte das Digital Wallet von Anfang an als populistische Geldverschwendung gebrandmarkt. Jetzt, wo die Regierung ihr eigenes Projekt herunterstuft, wirkt die Kritik plötzlich berechtigt. Selbst treue Pheu-Thai-Anhänger fragen sich: “Wenn es nicht so wichtig war — warum dann der ganze Hype?”
Ein Lehrstück in politischer Selbstsabotage
Die plötzliche Kehrtwende ist mehr als nur eine Verschiebung — sie ist ein Eingeständnis strategischen Versagens. Die Regierung hat ihr eigenes Prestigeprojekt durch Hype und mangelnde Planung entzaubert. Und das Schlimmste? Diesmal kommen die vernichtendsten Urteile nicht von den Kritikern — sondern aus den eigenen Reihen.