Was Move Forward ab jetzt tun muss

Selb­st in dem äußerst unwahrschein­lichen Fall, dass sie wieder in der Oppo­si­tion lan­det, wird die Move For­ward Par­ty mit der poli­tis­chen Schw­erkraft zu kämpfen haben. Und kün­ftige Tests wer­den das Tauziehen mit der Pheu-Thai-Partei um das Amt des Par­la­mentspräsi­den­ten wie eine Kinder­garten­prü­fung erscheinen lassen.

Die Move For­ward Par­ty hat ihre Mit­gliederzahl fast ver­dop­pelt und sich auf den Thron der beliebtesten poli­tis­chen Partei Thai­lands geset­zt. Ein paar Parteien um sie herum waren schon vorher da _ Pheu Thai, die Demokrat­en und eine alte Ver­sion der Chart Thai Pat­tana Parteien. Palang Pracharath war bei den Wahlen 2019 nahe dran (aber schauen Sie sich an, wo sie jet­zt ste­ht), und sog­ar Bhum­jaithai ist schnell gewach­sen, obwohl die Pro-Move For­ward- und Pro-Pheu Thai-Wellen bei den let­zten nationalen Wahlen dominierten.

Wenn die Euphorie nach­lässt, wird man sich der Größe der Auf­gabe bewusst, die vor einem liegt. Vor vier Jahren war Move For­ward (anfangs Future For­ward) nur ein neues Kind in der Stadt, das einige Leute begeis­terte, andere aber die Stirn run­zeln ließ. Trotz der Feuer­taufe ist die Arbeit in der Oppo­si­tion prak­tisch ein Unter­fan­gen, bei dem man nichts zu ver­lieren hat, wenn es um die Sym­pa­thie der Öffentlichkeit geht. Am 14. Mai hat die Partei den hol­pri­gen Start gut über­standen. So hart es auch schien, die let­zten vier Jahre waren eigentlich einfach.

Stellen Sie sich vor, dass ein Wirtschaft­sprak­tikant nach nur vier Jahren an die Spitze eines großen Unternehmens auf­steigt, Vor­standssitzun­gen leit­et, an denen auch viel ältere Men­schen teil­nehmen, und Entschei­dun­gen trifft, die unzäh­lige Men­schen betr­e­f­fen. Dieser Prak­tikant wird ver­suchen, die Kri­tik an der Uner­fahren­heit” zu über­winden und zu beweisen, dass das, was ihn bei der Wahl am 14. Mai aus­geze­ich­net hat — frische Ideen — viel wichtiger ist.

Es gibt ein paar Dinge an der Regierung Prayut, die der Öffentlichkeit nicht gefall­en. Erstens ist ein Großteil der Kabi­netts­be­set­zung das Ergeb­nis poli­tis­ch­er Kom­pro­misse, die dazu führten, dass Per­so­n­en mit frag­würdi­gen Qual­i­fika­tio­nen oder Hin­ter­grün­den Min­is­terämter über­nah­men. Zweit­ens wird mit Protesten nicht richtig umge­gan­gen, wobei die Maß­nah­men abwech­sel­nd zu hart oder zu weich sind. Drit­tens wur­den Fälle, die sich neg­a­tiv auf Regierungsmit­glieder auswirk­ten, heim­lich oder kon­tro­vers behan­delt, wie der Aufruhr um die Arm­ban­duhr des stel­lvertre­tenden Pre­mier­min­is­ters Praw­it Wong­suwan und die Unter­suchung der früheren Tat­en von Tham­manat Prompao.

Viertens: Der Ver­dacht auf dubiose Geschäfte zwis­chen staatlichen Behör­den und Unter­grundleuten war zu viel des Guten. Fün­ftens waren auch die Predigten” von Leuten an der Spitze zu viel des Guten, während die Demokratie mehr Respekt” für andere Mei­n­un­gen erfordert. Die gute Nachricht ist, dass es sich bei all diesen Prob­le­men um Prob­leme der alten Poli­tik” han­delt, für die Move For­ward prak­tisch ver­sprochen hat, sie anders zu lösen. Die schlechte Nachricht ist, dass die Erwartun­gen, die Move For­ward in sich trägt, real sind und nicht wie nor­male Ver­sprechen poli­tis­ch­er Parteien behan­delt wer­den, bevor die Wäh­ler ihre Stimme abgeben.

Ein­fach gesagt, der Treib­sand der alten Poli­tik” ist riesig und seine Saugkraft ist unglaublich stark. Wie man ver­mei­den kann, darin zu versinken, muss die erste Pri­or­ität von Move For­ward sein. Frag­würdi­ge Namen im Kabi­nett Pita wer­den das Ver­trauen schneller unter­graben als der Kuh­han­del, den Prayut Chan-o-cha während sein­er Regierungszeit hin­nehmen musste. Let­zter­er war ein Dik­ta­tor”, der die thailändis­che Öffentlichkeit mit inef­fizien­ten Ver­wal­tungs­beamten zwangs­beglück­te”, wie Pita Lim­jaroen­rat selb­st sagte, also kann der Move For­ward-Chef nicht so gese­hen wer­den, als würde er das­selbe tun.

Hinzu kommt das unge­heuer­liche Prob­lem der Vet­tern­wirtschaft und Klün­gelei. Die alte Poli­tik ver­schweigt Missstände, wenn sie der Regierung nicht dien­lich” sind oder wenn sie den Geg­n­ern nützen. Mit gutem Beispiel voranzuge­hen, wird abso­lut schmerzhaft und unglaublich schwierig sein, aber wenn es Move For­ward gelingt, kann die Partei mit Stolz verkün­den, dass das neue Kind in der Stadt zu ein­er ehren­haften Leg­ende gewor­den ist. Wann immer ein Poli­tik­er schwor, die Kor­rup­tion zu bekämpfen, lächelte er tat­säch­lich. Denn sie wusste, dass man nur gegen die Feinde vorge­hen und die Vet­tern­wirtschaft weit­er ver­tuschen würde. Sie wusste, dass sie nur noch stärk­er wer­den würde.

Wenn Thaksin Shi­nawa­tra sein Ver­sprechen ein­hält, näch­sten Monat auf jeden Fall nach Thai­land zurück­zukehren, wird der erste wirk­liche Test in Bezug auf die durch Vet­tern­wirtschaft bee­in­flusste ein­seit­ige Jus­tiz” schon bald stat­tfind­en. Wurde er poli­tisch ver­fol­gt, oder hat er tat­säch­lich gegen die in der Volksver­fas­sung” von 1997 vorgeschriebe­nen Antiko­r­rup­tion­sregeln ver­stoßen und wurde schuldig gesprochen, als seine Partei an der Macht war? Diese Frage spal­tet die Gemüter, und Pita Lim­jaroen­rat wird darauf eine Antwort find­en müssen, dies­mal nicht als Abge­ord­neter der Oppo­si­tion, der darüber spricht, was hätte getan wer­den müssen.

Thaksin wird nur eine der zu erwartenden Kon­tro­ver­sen sein. Kor­rupte hochrangige Polizis­ten, unehrliche Mil­itärs, miss­bräuch­liche Leit­er lokaler Ver­wal­tungs­be­hör­den und skru­pel­lose hohe Beamte, die z. B. den Gren­zhan­del beauf­sichti­gen, gibt es zuhauf, und sie sind der Haupt­grund dafür, dass Thai­land die bürokratis­che Bestechung niemals besiegen kann.

Fälle wie der des Red-Bull-Erben” müssen der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Wohlhabende Eltern, die unter dem Tisch Geld zahlen, um ihre Kinder in renom­mierte Schulen zu brin­gen, müssen mit konkreten Maß­nah­men ent­mutigt wer­den. Bestechungs­gelder müssen abgeschafft wer­den _ in der gesamten Gesellschaft, nicht nur in der LKW-Branche. Wenn der poli­tis­che Geg­n­er etwas Gutes tut, muss er gelobt wer­den. Wenn ihre Leute für bes­timmte Auf­gaben bess­er qual­i­fiziert sind, sollte man sich nicht scheuen, sie einzustellen.

Und nicht zulet­zt muss Move For­ward die Mehrheits­falle” ver­mei­den. Ob Sie es glauben oder nicht: Zu sagen: Das ist Demokratie, weil es die Mehrheit will”, kann das Undemokratis­chste sein, was man sagen kann. Wahre Demokratie bedeutet, auf jede einzelne Stimme zu hören, denn wer weiß, vielle­icht erweist sie sich ja als die einzige vernünftige.

Warum wur­den Prayuts Predigten immer belächelt? Weil seine Predigten nicht als beherzigt emp­fun­den wur­den. Poli­tis­che Führer for­men Mei­n­un­gen und leg­en Agen­den fest, aber was in der thailändis­chen poli­tis­chen Land­schaft immer passiert ist, ist, dass Agen­den fest­gelegt wer­den, ohne dass genug zuge­hört wird.

Move For­ward wird mit Protesten, Gege­nar­gu­menten und regel­recht­en Kam­pag­nen von Nicht-Gläu­bi­gen kon­fron­tiert wer­den. Die Art und Weise, wie sie damit umge­ht, wird Bände darüber sprechen, was sich zwis­chen der alten Poli­tik, in der Sagen, was mir gefällt, ist Rede­frei­heit”, und der neuen Poli­tik, in der Ich bin nicht ein­ver­standen mit dem, was du sagst, aber du hast die Frei­heit, es zu sagen”, durch­set­zen wird.

Bei großen und größ­ten­teils umstrit­te­nen Agen­den, die es voranzutreiben gilt, ist Ver­trauen beson­ders wichtig. Von einem Prak­tikan­ten” wird nicht erwartet, dass er all diese Auf­gaben per­fekt oder über Nacht erfüllt. Aber die Wahrheit ist, dass es sich um reale, gewaltige Prob­leme han­delt, mit denen Thai­land kon­fron­tiert ist, und nur wenn man sie ern­sthaft ange­ht, kann das Land wirk­lich vorankommen.

Von Tul­sathit Taptim

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