Den Essenslieferanten Gerechtigkeit widerfahren lassen

Motor­rad­fahrer in hellen Jack­en, die sich durch den Verkehr schlän­geln, um Mahlzeit­en an ihre Kun­den auszuliefern, sind ein alltäglich­er Anblick auf den Straßen der Stadt. Sie sind die Arbeit­spferde der boomenden Gig-Econ­o­my in Thai­land. Doch sie arbeit­en ohne grundle­gende Arbeit­srechte oder Schutz.

Wenn sie einen Unfall haben, sind sie auf sich allein gestellt. Und wenn sie krank sind, kön­nen sie ihren Job ver­lieren. Vergessen Sie den Min­dest­lohn, die Lohn­fortzahlung im Krankheits­fall oder andere soziale Absicherun­gen. Der Grund dafür ist, dass diese Fahrer von ihren Lebens­mit­tel-Liefer­plat­tfor­men immer noch als Freiberu­fler” und nicht als Arbeit­nehmer behan­delt werden.

Die Fahrer fordern eine faire Behand­lung. Da sie an strenge Arbeitsvorschriften gebun­den sind, die denen für reg­uläre Arbeit­nehmer ähneln, sind sie der Mei­n­ung, dass sie von ihren Arbeit­ge­bern den gle­ichen Schutz und die gle­ichen Rechte erhal­ten sollten.

Obwohl die Plat­tform­be­treiber von Fall zu Fall kleineren Forderun­gen nachgeben, weigern sie sich, das Sys­tem zu verbessern und ihren Fahrern angemessene Leis­tun­gen zu gewähren. Trotz zahlre­ich­er Straßen­demon­stra­tio­nen im Laufe der Jahre sind die Fahrer nach wie vor in risiko­r­e­ichen Jobs ohne geset­zliche Rechte oder Schutz gefangen.

Um ihre Arbeit­srechte zu schützen, ist ein Ein­greifen der Regierung erforderlich.

Dank der expandieren­den dig­i­tal­en Wirtschaft hat die Lebens­mit­tel­liefer­ungs­branche in den let­zten zehn Jahren ein enormes Wach­s­tum erlebt, ins­beson­dere während der Pan­demie, als die Nach­frage so hoch war wie nie zuvor.

Was auf die Fahrer zukommt

Derzeit gibt es schätzungsweise über 100.000 Fahrer in der Lebensmittellieferbranche.

Die Forderun­gen der Fahrer nach besser­er Bezahlung und besseren Arbeits­be­din­gun­gen sind Teil der seit langem beste­hen­den struk­turellen Prob­leme in der Branche, die die Essensliefer­plat­tfor­men nicht ange­hen wollen.

Zu den Prob­le­men gehören die star­ren Vorschriften für die Arbeit­szeit­en der Fahrer und die Anzahl der Liefer­un­gen sowie die Befug­nis der Plat­tfor­men, das Vergü­tungssys­tem zu ändern und die Gebühren für ihre Fahrer zu senken, ohne die Fahrer vorher zu informieren.

Infolge dieser stren­gen Arbeits­be­din­gun­gen sind die Fahrer keine unab­hängi­gen Freiberu­fler” mit flex­i­blen Arbeit­szeit­en mehr. Sie sind im Wesentlichen zu Angestell­ten der Plat­tfor­men gewor­den, allerd­ings ohne jeglichen rechtlichen Schutz oder Rechte.

Das Gewinnstreben der Betreiber ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Fahrer nicht die Rechte und den Schutz erhal­ten, den sie ver­di­enen. Schuld daran ist auch das über­holte Arbeitsrecht.

Gegen­wär­tig knüpft das Arbeit­srecht die Rechte und Sozialleis­tun­gen der Arbeit­nehmer an ihren Beschäf­ti­gungssta­tus, der nun in Kat­e­gorien unterteilt ist: Arbeit­nehmer und unab­hängige Auf­trag­nehmer. Nur Arbeit­nehmer im formellen Sek­tor sind rechtlich geschützt.

Die Prob­leme der Fahrer rühren daher, dass ihre Arbeit­splätze als unab­hängige Auf­trag­nehmer definiert sind, was ihre tat­säch­lichen Arbeits­be­din­gun­gen nicht genau widerspiegelt.

Obwohl die Lebens­mit­tel­liefer­plat­tfor­men die Fahrer als ihre Part­ner” beze­ich­nen, wer­den die Fahrer von vie­len als unab­hängige Auf­trag­nehmer beze­ich­net, während ihre Arbeits­be­din­gun­gen eigentlich unter das Arbeit­ge­ber-Arbeit­nehmer-Ver­hält­nis fallen.

Laut ein­er Studie des Thai­land Devel­op­ment Research Insti­tute (TDRI) aus dem Jahr 2022 über die Reg­ulierungsrichtlin­ien für dig­i­tale Plat­tfor­men gel­ten für die meis­ten Fahrer ähn­liche Arbeits­be­din­gun­gen wie für Angestellte, z. B. in Bezug auf Arbeit­szeit­en, Löhne und Strafen bei Nichtein­hal­tung. Die Rechte der Fahrer sind jedoch gle­ich oder geringer als die von unab­hängi­gen Auftragnehmern.

Trotz wieder­holter Proteste sind die Forderun­gen der Fahrer nicht ernst genom­men wor­den. Das liegt daran, dass es sich um spon­tane Proteste mit ungle­ich­er Ver­hand­lungs­macht zwis­chen Fahrern und Bahn­steig­be­treibern han­delte. Let­z­tendlich sind die Fahrer, die über eine viel gerin­gere Ver­hand­lungs­macht ver­fü­gen, gezwun­gen, die Entschei­dun­gen der Betreiber zu akzep­tieren und zu befolgen.

Poli­tis­che Empfehlungen

Da die Flex­i­bil­ität der Fahrgäste unter­schiedlich hoch ist, müssen auch ihre Arbeits­be­din­gun­gen und ihr Woh­lerge­hen entsprechend unter­schiedlich sein. Laut ein­er TDRI-Umfrage aus dem Jahr 2022 wün­schen sich die Fahrer, die Vol­lzeit arbeit­en und haupt­säch­lich auf dieses Einkom­men angewiesen sind, garantierte Min­destlöhne, eine Unfal­lver­sicherung und die Möglichkeit, Gew­erkschaften zu grün­den. Die teilzeitbeschäftigten Fahrer hinge­gen wollen nur eine Kranken- und Unfallversicherung.

Daher soll­ten die Sozialleis­tun­gen und ‑rechte der Fahrer nicht pauschal­isiert wer­den. Vielmehr soll­ten sie auf die Art ihrer Arbeit zugeschnit­ten sein. In der Regel soll­ten die Fahrer je nach dem Grad der Kon­trolle der Plat­tfor­men über ihre Arbeits­be­din­gun­gen mehr Schutz erhal­ten. Die Regierung sollte jedoch Min­dest­stan­dards für den Arbeitss­chutz fes­tle­gen, um ein grundle­gen­des Sicher­heit­snetz für alle Fahrer zu gewährleisten.

Erstens: finanzielle Entschädi­gung für Schä­den, die durch Arbeit­sun­fälle entste­hen. Die Betreiber der Plat­tfor­men müssen in jedem Fall einen Ver­sicherungss­chutz für Dritte bieten, während sie die volle Ver­ant­wor­tung für die Fahrer übernehmen müssen, wenn sie Arbeits­be­din­gun­gen mit höheren Risiken auferlegen.

Zweit­ens müssen die Lebens­mit­tel­liefer­plat­tfor­men das Recht der Fahrer auf gew­erkschaftliche Organ­isierung anerken­nen. Drit­tens müssen die Plat­tfor­men den Fahrern bei der Erledi­gung der für die Anmel­dung bei der Sozialver­sicherung erforder­lichen For­mal­itäten helfen.

Um diesen unter­schiedlichen Bedürfnis­sen der Fahrer gerecht zu wer­den, sollte die Regierung Mech­a­nis­men zur Förderung des Wet­tbe­werbs zwis­chen den Plat­tfor­men ein­richt­en, die in der Folge die Vorteile und den Schutz der Fahrer verbessern wer­den. So soll­ten die Plat­tfor­men beispiel­sweise verpflichtet wer­den, Einzel­heit­en zu Sozialleis­tun­gen und Arbeits­be­din­gun­gen anzugeben, damit die Fahrer die Option wählen kön­nen, die einen besseren Schutz als den Min­dest­lohn bietet. Viele Plat­tfor­men bieten Fahrern, die die geforderten Arbeitsstun­den abgeleis­tet haben, inzwis­chen eine Unfal­lver­sicherung an.

Darüber hin­aus sollte die Regierung eine Klas­si­fizierung der Arbeit­nehmer vornehmen, um den Beschäf­ti­gungssta­tus der Fahrer zu bes­tim­men und den Fahrern, die für die Plat­tfor­men als Arbeit­nehmer arbeit­en, die Gerechtigkeit zukom­men zu lassen, die sie verdienen.

So müssen die Fahrer als Arbeit­nehmer mit geset­zlichen Recht­en und Schutz durch das Gesetz behan­delt wer­den, wenn die Plat­tfor­men min­destens eine der fol­gen­den Arbeit­sregeln auf­stellen: die Dauer, die die Fahrer mit den Plat­tfor­man­wen­dun­gen ver­bun­den bleiben müssen, das Ver­bot, Arbeit von anderen Plat­tfor­men anzunehmen, die Anforderung, dass die Fahrer die ihnen zugewiesene Arbeit annehmen müssen, und die Strafe bei Nichteinhaltung.

Um das Poten­zial der Plat­tfor­men zur ungerecht­en Behand­lung von Fahrern zu begren­zen, müssen die Behör­den ihre rechtlichen Verpflich­tun­gen und Geschäft­sprak­tiken fes­tle­gen. Die Regierung sollte vorschreiben, dass die Plat­tfor­men die Gefahren der Arbeit und die Algo­rith­men für die Auf­gaben­zuweisung bew­erten und den zuständi­gen Behör­den Bericht erstat­ten. Außer­dem soll­ten sie verpflichtet wer­den, die Fahrer min­destens sieben Tage im Voraus über Änderun­gen ihrer Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen oder ander­er Vere­in­barun­gen zu informieren.

Rechtliche Anfech­tung

Nun wird ver­sucht, ein Gesetz durchzuset­zen, das Freiberu­flern rechtlichen Schutz bietet. Der Entwurf des Geset­zes zur Förderung und zum Schutz von Selb­st­ständi­gen” (B.E.…) definiert den Begriff Schein­selb­st­ständi­ge” so, dass er Beschäftigte dig­i­taler Plat­tfor­men, darunter auch Rid­er, umfasst, und legt ihre ver­schiede­nen Rechte fest, wie etwa das Recht, eine Beruf­s­gew­erkschaft zu grün­den, und den rechtlichen Schutz vor der Ein­tra­gung als Selb­st­ständi­ge, um nur einige Beispiele zu nennen.

Es liegt an der neuen Regierung, das Gesetz zum Schutz der Rechte unab­hängiger oder freiberu­flich­er Arbeit­nehmer in die Tat umzuset­zen. Das Ein­heits­ge­setz ist jedoch nicht in der Lage, auf die unter­schiedlichen Arbeits­be­din­gun­gen und Bedürfnisse von Fahrern einzuge­hen. Daher muss sichergestellt wer­den, dass die Mei­n­ung der Fahrer im Geset­zge­bungsver­fahren berück­sichtigt wird, damit sie let­z­tendlich die Rechte und den Schutz erhal­ten, die sie verdienen.

Urairat Jan­tarasiri ist Senior Researcher am Thai­land Devel­op­ment Research Insti­tute. Poli­tis­che Analy­sen des Thai­land Devel­op­ment Research Insti­tute (TDRI) erscheinen jeden zweit­en Mittwoch in der Bangkok Post.

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